Nun steht in den groben Zügen mein erster Blog. Ich hätte persönlich nicht gedacht, dass es so einfach und relativ intuitiv geht. Ich habe mich für Blogger.com entschieden, da mich zugegebenermaßen die Funktionsvielfalt bei Wordpress (so zumindest die Eindrücke aus dem Tutorial) erschlagen haben. Innovativ und kreativ geht vermutlich anders, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden (oder auch nicht - die Zeit wird es zeigen). Ich denke ich werde nie jemand sein, der unbedingt seine persönlichen Meinungen und Denkansätze mit Fremden, die man noch nie gesehen hat und überhaupt so gar nicht einordnen kann, in einem Blog teilen wird (Mach ich das nicht eigentlich gerade?!). Es ist bestimmt spannend und bereichernd, sich mit völlig Unbekannten auseinanderzusetzen, aber meins wird's (vermutlich) nie sein. Ich sehe lieber, wer mir gegenüber steht, sonst fehlen mir die persönliche Note und die sich daraus ergebenden Spannungen. Ganz davon abgesehen, dass das diese Form von Info- und Meinungsaustausch eine Anonymität bietet, die für feige Deppen viel Raum zum Missbrauch bietet - die primitiven Shitstorms dieser Welt lassen grüßen. So scheint es generell mehr als ratsam, sich genau mit den 'Privatsphäre-Einstellungen' auseinander zu setzen. Aber letzten Endes darf glücklicherweise jeder selbst entscheiden wie er Meinungsvielfalt auslebt.
Eher vorstellen kann ich mir einen Einsatz von Blogs im Philosophie-Unterricht. Möglich sind Lerntagebücher über die Arbeitsfortschritte zu bestimmten Lernbereichen, die z.B. von Schülern selbst in Gruppen gestaltet werden. Oder philosophische Tagebücher zu bestimmten Themen, in denen sich Schüler mit ihrem Denken reflektiv auseinandersetzen. Das besondere an solchen Möglichkeiten ist in meinen Augen, dass sich Schüler hier in einem geschützten Umfeld bewegen können, indem sie selbst bestimmen wer ihren Blog lesen darf. Ich kann mir vorstellen, dass sich manche Schüler mitunter mehr trauen Gedanken zu äußern, die sie im Unterricht vor der Klasse so nicht getätigt hätten. Der Lehrer hat mit seinen Kommentaren die Chance, wertvolle Anregungen zu geben und sich so auf nem ganz anderen Niveau mit dem Schüler auseinanderzusetzen. Überhaupt kann der Lehrer auf dieser Plattform mithilfe von Zitaten oder Thesen Anregungen, Denkanstöße geben, für die im Unterricht vielleicht gar keine Zeit gewesen wäre. Ob die Schüler dieses Angebot nutzen steht natürlich auf einem anderen Blatt.
Der Einsatz von Blogs im Unterricht könnte auch eine Option darstellen, nervige organisatorische Dinge aus dem Unterricht auszulagern und in einem Klassen-Blog zu klären. Blogs bieten auch die effektive Option Daten wie z.B. Materialien oder Arbeitsergebnisse zu teilen.
Insgesamt bieten Blogs die Möglichkeit, dass sich Schüler durchaus geschützt, schriftlich frei und kreativ versuchen und äußern können in ihren Gedankenspielen. Mit Blogs kann eine reflexive Diskurskultur ausgeübt und gefördert werden (vorausgesetzt es werden vorher feste 'Spielregeln' festgesetzt). Und vielleicht das beste, man muss nicht auf die Killer-Schulglocke achten, die wieder viel zu früh die Stunde beendet.
Ich bin mir sicher, dass Blogs noch viel mehr Möglichkeiten bieten, an die man so vielleicht noch gar nicht denkt. Inwiefern sie im Unterricht einen tatsächlichen Nutzen besitzen können und praktikabel umsetzbar sind ist eine andere Frage - und auch die steht auf einem andern Blatt. Welches wir hoffentlich in diesem Seminar noch aufschlagen werden... ?!